Fussball-Eskalationen auf dem Pausenplatz? 20 Lösungen, die besser sind als ein Verbot
- Thomas Richter, Institutsleiter

- 31. März
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Apr.

Die Fachleute des Schweizerischen Instituts für Gewaltprävention (SIG) beraten täglich Schulen im Umgang mit schwierigen Situationen. Probleme auf dem Fussballplatz sind dabei ein Dauerbrenner. Ich habe für dich nachfolgend meine 20 wichtigsten Ideen zusammengefasst – nicht als Rezept, sondern als Ideenpool.
Drei Hebel haben sich bewährt: Hierarchien umgestalten, Kinder einbeziehen, Strukturen verändern.
1. Die Alphas in die Verantwortung holen
Fussballrat einsetzen
Lass die Kinder, die regelmässig Fussball spielen, einen «Fussballrat» wählen. In regelmässigen Treffen mit einer Lehrperson oder der SSA reflektiert der Rat die Situation auf dem Fussballplatz und entwickelt Ideen, wie Konflikte entschärft werden können. Wer es aufwändiger mag: ein Fussballparlament aller Spielenden, das den Rat wählt und dessen Vorschläge absegnet.
Captains einführen
Jedes Team wählt ein Kind als Captain. Bei Streit besprechen sich nur die beiden Captains – nicht das gesamte Feld. Das reduziert Eskalation enorm.
Schiri einführen
Vielleicht gibt es ein von allen respektiertes Kind, welches sich für diese verantwortungsvolle Rolle eignen würde.
Fussballexperten ausbilden
Ältere Kinder werden zu «Fussballexpertinnen und -experten» ausgebildet – ähnlich wie Streitschlichterinnen und Streitschlichter, aber spezifisch für den Platz. Sie beobachten, trösten und schlichten.
2. Klarheit schaffen
Fussballvertrag
Fussball in der Pause ist kein Grundrecht – es ist ein Privileg. Ein Fussballvertrag, den jedes Kind unterschreibt, macht die Bedingungen sichtbar. Besonders wichtig: Verlieren können. Fussball ist "nur" ein Spiel. Wer mit der Einstellung «es geht um den Weltmeistertitel" spielen möchte, bleibt dem Platz fern. Wer den Vertrag wiederholt bricht, verliert vorübergehend die «Lizenz».
Fairnesspunkte
Fairnesspunkte, die nicht nur auf dem Fussballplatz, sondern auch am Sporttag oder im Unterricht gesammelt werden. So gewinnt nicht immer nur das stärkste Team – sondern auch das fairste.
3. Sozialkompetenz gezielt trainieren
Wer erwartet, dass Kinder verlieren können, muss es ihnen auch beibringen.
Frust und Verlieren trainieren
Der Umgang mit Frust ist eine zentrale Lebenskompetenz – und lässt sich trainieren, im Klassenzimmer, nicht erst auf dem Platz. Das SIG hat hierzu ein spezifisches Training entwickelt, das auf der SIG-Plattform inklusive KI-Tool zur Verfügung steht.
Club vs. Pause thematisieren
Viele Kinder übertragen den Wettbewerbsgedanken aus dem Fussballclub direkt auf die Schulpause. Dieser Unterschied lohnt sich, explizit besprochen zu werden: Im Club geht es um Leistung. In der Pause geht es um Spass und Gemeinschaft.

Vorfokussieren
Vor der grossen Pause erzählen die Kinder der Lehrperson kurz, worauf sie heute achten werden. Das schärft die Selbstwahrnehmung und schafft einen bewussten Übergang.
4. Struktur verändern
Strukturelle Veränderungen können mehr bewirken als jedes Gespräch.
Mehrere kleine Spiele statt eines grossen
Viele Tore, kleine Teams. Kinder können sich aus dem Weg gehen, die Dominanz Einzelner flaut ab.
Echte Alternativen anbieten
Oft spielen Kinder nur Fussball, weil es die einzige Option ist. Sitzball, Völkerball, Tischtennis, Kletterwand, Seilspringen – wer Alternativen schafft, entlastet den Fussballplatz automatisch. Übrigens: Spiele wie Völkerball oder Sitzball haben klarere Regeln und weniger Grauzonen als Fussball.
Versetzte Pausen
Nicht alle Klassen gleichzeitig auf dem Fussballplatz. Weniger Kinder, weniger Reibung.
Fussball anders spielen
Königsfussball: Wer gewinnt, wechselt ins andere Team. Ständig neue Konstellationen.
Würfelfussball: Würfel entscheiden über Anzahl Spielende pro Mannschaft, Spielvarianten oder Sonderregeln.
Keine Tore zählen: Es zählt nur das nächste Tor. Kein Punktestand, weniger Druck.
Tore der Jüngsten zählen doppelt: Ein einfacher Ausgleich für Erfolgserlebnisse.
Teambildung mit System
Wenn immer die gleichen zwei «Chefs» wählen, stehen die Schwächeren jedes Mal zuletzt da. Alternativen: Losverfahren, farbige Bändel oder feste Teams über einen bestimmten Zeitraum.
Der Ball gehört der Schule
Eigene Bälle bedeuten Kontrolle: «Mein Ball, meine Regeln.» Die Lösung: Es wird nur mit Schulbällen gespielt.
Fun-Feld und Profi-Feld
Zwei Zonen: ein Fun-Feld für alle, die einfach spielen wollen, und ein Profi-Feld für die Wettkampforientierten. So treffen nicht ständig unterschiedliche Erwartungen aufeinander.
Präsenz zeigen
Manchmal reicht es, wenn Lehrpersonen auf dem Platz sichtbar sind – nicht als Schiedsrichter, sondern als Bezugspersonen.
5. Frühwarnsystem einrichten
Nach der Pause notiert jedes Kind auf einem Blatt, wie das Spiel gelaufen ist – Skala von 1 bis 10, kurzer Kommentar. Eine Lehrperson sichtet die Zettel regelmässig. Wird ein Kind wiederholt negativ erwähnt, wird dem nachgegangen.
Und wenn gar nichts hilft?
Dann bleibt als letzte Massnahme, dass nur bestimmte Klassen nach Plan spielen dürfen – oder die vorübergehende Sperrung des Platzes. Aber: Eine Sperrung ist ein Signal des Scheiterns und sollte immer mit einem Plan zur Wiedereinführung verbunden sein.
Fazit
Der Fussballplatz ist kein Problem, das man loswerden muss. Er ist ein Mikrokosmos, in dem Kinder lernen, mit Frustration umzugehen, fair zu verhandeln und Verantwortung zu übernehmen. Wenn du auch nur zwei oder drei dieser Ideen ausprobierst, wirst du merken: Es braucht kein Fussballverbot. Es braucht Struktur, Beteiligung und den Mut, Kindern etwas zuzutrauen.
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Thomas Richter, Institutsleiter SIG
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